Der Hund im Wolf oder der Wolf im Schafspelz

Wann immer über Akita’s gesprochen wird, ist ein Gespräch zum Thema Verhalten oder Erziehung nicht fern.  Denn der Akita ist gross und stark, hat eine enorme Beisskraft und ein Köpfchen, das gerne selber denkt. Schlechte Mischung – meinen Sie? Nun, würden Sie irgendwo in der Tundra ums Überleben kämpfen, könnten Sie sich keinen besseren tierischen Freund wünschen. In einer Welt allerdings, wo ein Mopswelpe in den Abfall geworfen wird, weil sich seine Rute nicht zweimal kringelt, Australian Shepard-Babies die Ohrspitzen herunter geklebt werden für „Knickohren“ und Jagdhunden die Eckzähne abgefeilt, kommt der ursprüngliche Teil des Akita-Wesens eher ungelegen.

Archie Star und Aska
Archie Star und Aska

Als Archie bei mir einzog, waren sowohl Verhalten auch Erziehung das vordringlichste Problem, denn mein Junge war im Bezug auf Menschen ein Musterknabe,  stand mit der Hundewelt jedoch auf Kriegsfuss. Da er sein früheres Leben hauptsächlich in einem Garten verbracht hatte, überforderte ihn der Anblick freilaufender Hunde dermassen, dass er auf alle losgehen wollte, was vier Beine hatte.  Deprimiert, in einem neuen Land, ohne sein altes Rudel und noch ohne Bindung zu seinem neuen war das Leben für  ihn mehr als verwirrend.  Nach einem Beissvorfall  mussten deshalb dringend Lösungen her:


Die mit dem Wolf tanzen
Um besser zu verstehen, weshalb Archie (re-)agierte, wie er dies tat, analysierte ich mit dem Hundetrainer  James Pole intensiv die wölfische Seite des Akita‘s und das „Regelwerk des Wolfsverhalten“. Besonders interessant fand ich, dass ein Wolfsrudel wie eine Firma strukturiert ist; mit einem Alpha als strategischem Denker und Lenker, der jederzeit weiss, wohin die Reise geht, dem höheren bis mittleren Management welches die Sicherung des Rudels verantwortete und die Strafgewalt ausübte bis hinunter zum Prügelknaben, der dafür zuständig  ist, Spannungen im Rudel abzubauen.

 

Mit  einem klareren Bild, welches „Anforderungsprofil“ ich für meinen Hund zu erfüllen hatte realisierte ich, dass ich Archie bislang als Führungspersönlichkeit im Stich gelassen hatte. Dies half mir mein Verhalten so zu ändern, dass er (die meisten) Entscheidungen an mich abtreten konnte. Damit war ein Teilschritt getan.  Um Archie’s Bild gegeünber anderen Hunden zu verbessern, brauchte es jedoch einen Sonder-Effort und ich begann, mir jeden Mittag und Abend die verschiedensten hündischen „Stressauslöser“ samt Herrchen oder Frauchen für kürzere oder längere Spaziergänge auszuborgen. Langsam zeichneten sich Verbesserungen ab und Archie begann, sich mit verschiedenen Hunden (Rüden wie Weibchen) anzufreunden, mit denen er nun auch frei läuft.

Archie Star bedrängt Aska etwas
Archie Star bedrängt Aska etwas

Archie Star und Aska - beide happy
Archie Star und Aska - beide happy

Sprechen Sie Akita? 

Einige grundlegende Punkte sind mir bei der hündischen Akita-/Nicht-Akita-Begegnung mit Archie (an der Leine) aufgefallen:

Spiegelbilder deren Kultur

Da Hunde sich in einem bestimmten Kulturkreis entwickelt haben und entsprechend gewisse Verhalten toleriert oder nicht toleriert wurden, dürfte auch klar sein, weshalb sich nicht alle Hunderassen auf den ersten Blick verstehen. Auch wir haben gelegentlich Mühe, andere Mentalitäten zu verstehen. Weshalb sollten sich die Hunde unterscheiden?  

Den selbstgewussten gehört die Welt

Akita’s haben eine sehr selbstbewusste Körpersprache. Je nach Rang oder Rasse des anderen Hundes wirkt diese einschüchternd oder provozierend. Dass Hunde ebenfalls „Übersetzungsschwierigkeiten“ haben könnten, ist mir bei der ersten Shiba-Inu-Begegnung (Weibchen) aufgefallen. Für beide Hunde war die Welt von Anfang an in Ordnung und sie spielten recht wild miteinander. Bei anderen Hunden hingegen braucht es oft ein vorsichtiges herantasten, bis sich beide Seiten sicher sind, dass alles in Ordnung ist.

 

Zurückhaltung bitte

Frontalbegegnungen mit fremden Hunden (auch Junghunden) sind nicht willkommen.  Auch hier interpretiere ich etwas japanische Zurückhaltung hinein. Erfolgt eine Begrüssung mit abgesenktem Kopf und in einem kleine Bogen, kann vorsichtigem Tanz kann der Rest des Hundes inspiziert werden.  Springt ein Hund meinen frontal an, wird er gemassregelt. Mit Hunden, die den Kopf aufgrund deren Körperbaus eher hoch tragen (z.B.  Bulldogen, Frenchie’s, Boxer), ist es deshalb sicherer, zuerst gemeinsam zu spazieren, um mögliche Missverständnisse auszuräumen. 


Gemeinsam statt einsam
Eine Begegnung ist ganz grundsätzlich am Sichersten, wenn die Hunde gemeinsam einige Zeit zusammen spaziert sind, entspannt haben und sich seitlich nicht mehr misstrauische anzuschauen. Sobald sie gemeinsam beginnen, an den gleichen Orten zu schnüffeln, ist die Welt in Ordnung.  Hunde haben Lieblinge, tolerierte Kollegen und Feinde. Wird ein Freund/eine Freundin gewittert oder gesehen, ist die Freude riesengross, Kollegen werden verhalten begrüsst, mit Feinden würde nach Möglichkeit gezofft.

Rüpel anstatt Gentleman
Ist Archie frei, spielt er auf zwei Arten: quirlige oder unsichere Hunde/Weibchen werden „gejagt“, überrannt und in den Hintern gezwickt, vor allem, wenn sie ihn aus Unsicherheit nicht stellen und zurechtweisen. Hunde, die klar Grenzen kommunizieren, dürfen auch ihn jagen – insbesondere selbstsichere Weibchen. Mit Rüden wird bevorzugt gerungen auf den Hinterbeinen.

 

Archie Star und Aska - L-O-V-E
Archie Star und Aska - L-O-V-E

Fazit
Aktia’s sind sicher etwas schwieriger einzuschätzen, aber nicht grundsätzlich unverträglich mit anderen Hunden. Wichtig erscheint mir, viele positive Hundebegegnungen zu schaffen. Wird der Hund mit 2 – 3 Jahren unverträglicher, lassen Sie sich nicht unterkriegen sondern bringen Sie den Hund trotzdem immer wieder mit anderen zusammen. Kontrollieren Sie die Situation über die Distanz zu den anderen Hunden. Laufen die Hunde entspannt, verkleinern Sie den Abstand, bis dieser auch kein Problem mehr ist. Sind sie unsicher, dann hilft ein gutes Maulkorbtraining. Lieber ein Hund mit Maulkorb und Sozialkontakten als ein einsamer Hund. Denn so sehr sie ihn lieben, die Kumpels ersetzen Sie ihm nie.

Für die „hündische“ Seite bei der Erziehung kümmerte sich Monika Sandhofer.  Mit welchen Tricks wir Archie zur Mitarbeite animierten, kommt im nächsten Blog-Artikel…

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Kommentare: 2
  • #1

    Kristina (Dienstag, 22 Mai 2018 08:09)

    Ein sehr schöner Text und ich kenne die Probleme nur zu gut. Unsere 2 jährige Akita Hündin verträgt sich sehr gut mit Akita Rüden aber leider gar nicht mehr mit Hündinnen egal welcher Rasse. Versuche dies nun mit Geduld in den Griff zu bekommen, ist aber wirklich ein große Herausforderung.

  • #2

    Frieda (Mittwoch, 23 Mai 2018 10:52)

    ja, bis zur ersten Läufigkeit war ei uns alles Bestens, jetzt versteht sich meine Hündin nur noch mit Rüden, Fähen werden angezickt, allerdings kann man gut mit ihr in die Stadt, sie weiß sich an der Leine zu benehmen und ignoriert alles um sich herum

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